19.1.: Das Marathon-Rekordjahr 2011: BMW Frankfurt Marathon

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In Frankfurt ging ein derartig starkes Elitefeld an den Start, dass am Ende 14 Läufer unter 2:10 Stunden ins Ziel kamen.

Der Marathon erlebte 2011 ein Rekordjahr. Der Lauf über die 42,195 km boomt spitzensportlich wie nie zuvor und ein Ende des Erfolges ist nicht absehbar. Im vergangenen Herbst spielten dabei zwei deutsche Rennen eine herausragende Rolle: In Berlin fiel der Weltrekord, in Frankfurt kamen dann so viele Läufer unter 2:10 Stunden ins Ziel wie nie zuvor bei einem Marathon. Im Jahr vor den Olympischen Spielen in London sah das Rennen über die klassische Distanz bei den Männern die besten Ergebnisse aller Zeiten – sowohl was die absolute Spitze angeht als auch die Breite. Und es sind natürlich die Kenianer, die die Bestenlisten dominieren. Doch auch bei den Frauen wurde 2011 das bezogen auf die absoluten Spitzenzeiten stärkste Jahr seit längerer Zeit registriert. 

Sensationell ist die Breite der Topzeiten, die die Ostafrikaner 2011 aufstellten. Acht der schnellsten 20 je gelaufenen Zeiten im Marathon wurden 2011 erreicht – darunter sind die vier schnellsten je erzielten Ergebnisse. Eingerechnet sind hier – ebenso wie in den folgenden Statistiken – auch die Zeiten des Boston-Marathons. Die Ergebnisse des Laufes können zwar nicht als Rekorde gewertet werden, da der Kurs nicht die entsprechenden Kriterien erfüllt, doch die hügelige, abfallende Strecke an der US-Ostküste ist als alles andere als einfach. Insofern sind die Boston-Zeiten durchaus ein Gradmesser, selbst wenn 2011 ein Rückenwind phasenweise hilfreich war. 

Rekord: Sieben Männerzeiten unter 2:05 StundenGleich sieben Mal wurden 2011 Marathonzeiten von unter 2:05 Stunden gestoppt – einer Zeit, die erst vor acht Jahren erstmals unterboten worden war und die lange als Traumzeit galt. Zehn weitere Ergebnisse von unter 2:06 wurden gelaufen. Von diesen insgesamt 17 Zeiten gehen 15 auf das Konto der Kenianer. Doch auch die Breite in der Spitze ist so groß wie nie zuvor: 47 Mal gab es Zeiten zwischen 2:06 und 2:08 Stunden (30 davon von Kenianern). 114 weitere Ergebnisse (davon 59 Kenianer) liegen im Bereich zwischen 2:08 und 2:10. Die früher international sehr relevante Marke von 2:10 wurde 2011 somit bisher 178 Mal unterboten. Erweitert man den Zeitbereich noch bis 2:12:00 Stunden – der deutschen Norm für die Olympischen Spiele, die bislang noch kein deutscher Läufer erreicht hat – so finden sich rund 350 Zeiten. Bemerkenswert ist auch, dass hochkarätige City-Marathonläufe wie Boston, London, Berlin, Chicago und New York – also alle fünf World Marathon Majors (WMM) – sowie Frankfurt zuletzt jeweils Streckenrekorde verzeichneten. Am Main blieben zudem gleich 14 Läufer unter 2:10 Stunden. Eine solche Dichte in der Spitze hatte es bei einem Marathon nie zuvor gegeben.Nachdem Haile Gebrselassies Weltrekord aus 2008 (2:03:59 in Berlin) gefallen ist und insgesamt gleich vier Kenianer unter der Marke des Äthiopiers blieben, ist damit zu rechnen, dass es schon bald weitere Verbesserungen geben kann. Die derzeit besten Kenianer – Patrick Makau, der in Berlin den Weltrekord auf 2:03:38 Stunden verbesserte, Frankfurt-Sieger Wilson Kipsang, Boston-Gewinner Geoffrey Mutai oder Chicago-Sieger Moses Mosop – haben das Vermögen für noch schnellere Zeiten. Vielleicht fällt der Rekord sogar im Olympiajahr. Denn längst nicht alle der besten Marathonläufer der Welt werden im nächsten Sommer in London starten. Nur drei Startplätze stehen jeder Nation zur Verfügung – für die Kenianer ist das ein großes Problem. Sie werden Läufer zu Hause lassen müssen, die die Goldmedaille gewinnen könnten. Die Nicht-Nominierten werden darauf aus sein, im Herbst ihre Stärke zu beweisen.

Rekord: 16 Frauenzeiten unter 2:23 Stunden

Auch die internationale Spitze im Frauen-Marathon ist 2011 deutlich stärker geworden als in den Jahren zuvor. Wenn es auch nicht so spektakuläre Ergebnisse wie bei den Männern gab, so wurden immerhin drei Zeiten unter 2:20 Stunden gelaufen. Das gab es in der Geschichte des Marathons erst zweimal: 2002 und 2003. Während der Weltrekord von Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25/2003) weiterhin unangetastet bleibt, wurde Liliya Shobukhova (Russland) in Chicago im Oktober mit 2:18:20 Stunden zur zweitschnellsten Läuferin aller Zeiten. 16 Mal wurden 2011 bei den Frauen Zeiten unter 2:23 Stunden gestoppt. Das ist ein Rekord. Die höchste Zahl von Ergebnissen unter dieser Zeit stammte zuvor aus dem Jahr 2002 (13). Gelaufen wurden diese 2011 von sieben Kenianerinnen, fünf Äthiopierinnen, zweimal von Liliya Shobukhova sowie je einmal von Desireé Davila (USA) und Irina Mikitenko. Die Läuferin des SC Gelnhausen ist die einzige Deutsche, die im Marathon zur Weltklasse zählt. Mit ihren 2:22:18 Stunden ist Irina Mikitenko die neuntschnellste Läuferin des Jahres. Doch die Konkurrenz für die 39-Jährige ist enorm stark. 2011 gab es die Rekordzahl von 46 Ergebnissen unter 2:25 Stunden – einer Zeit, die im Gegensatz zu früheren Jahren nicht mehr die Zugehörigkeit zur Weltklasse bedeutet. Nie zuvor gab es auch nur annähernd so viele Ergebnisse unter 2:25 wie 2011.

New York wieder das größte Marathonrennen

Das spitzensportlich einmalige Marathonjahr hat aber auch breitensportlich Rekorde gebrochen. In New York erreichten Anfang November 46.795 Läufer das Ziel im Central Park – damit war das Rennen in Big Apple der größte Marathon aller Zeiten. 2010 wurden in New York 45.103 Läufer im Ziel registriert. Doch die höchste Zahl von Bewerbern um eine Startnummer hat weder New York noch London: 294.469 Läufer wollten beim Tokio-Marathon im Februar teilnehmen. Zugelassen wurde nur ein kleiner Teil von ihnen. Im Ziel registrierten die Japaner schließlich 32.415 Athleten. Sechs Läufe verzeichneten, wie schon 2010, über 30.000 Finisher. Die großen Marathon-Klassiker werden auch 2012 wieder boomen: So war der Berlin-Marathon zum ersten Mal in seiner Geschichte bereits im Jahr vor der Veranstaltung ausgebucht. Gleiches gilt für die Frühjahrs-Klassiker von London und Boston. Für den New York-Marathon kann man sich zurzeit für die Startnummern-Verlosung registrieren, für Chicago beginnt die Anmeldephase am 1. Februar. In Frankfurt läuft das Meldeverfahren bereits, und die Veranstalter verzeichnen eine nie gesehene Nachfrage.Text: race-news-service.com

Fotos: photorun.net