10.5.: Von der freien Wildbahn auf Europas Straßen: Matebor gegen starke Konkurrenz beim Prag-Marathon: BMW Frankfurt Marathon

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Albert Matebor bei der Pressekonferenz in Prag.

Mit der besten Besetzung in der Geschichte des Rennens wird am Sonntag der 19. Volkswagen Prag-Marathon gestartet. Sieben Männer werden mit persönlichen Rekorden von unter 2:10 Stunden an der Startlinie stehen, ein halbes Dutzend Frauen lief bereits schneller als 2:25. Die Kenianer Albert Matebor und Lydia Cheromei sind mit Zeiten von 2:05:25 beziehungsweise 2:21:30 die schnellsten im Feld. Eine Rekordzahl von 9.500 Läufern hat für den bedeutendsten tschechischen Marathon gemeldet. 

„Wir haben einen Teilnehmer-Rekord von fast 10.000 Läufern und werden das spitzensportlich beste Feld unserer Geschichte am Start haben. Über 1.000 Läufer rennen für einen guten Zweck, und der Marathon wird live in viele Länder übertragen, unter anderem auch nach China. Als wir vor vielen Jahren diesen Marathon erstmals starteten, hätte ich mir das nicht träumen lassen“, sagte Organisationschef Carlo Capalbo.

Mit einem Läufer des Kalibers von Albert Matebor rückt natürlich der Streckenrekord in den Fokus. Eliud Kiptanui (Kenia) lief diese Bestzeit in einem außergewöhnlichen Rennen vor drei Jahren, als er nach 2:05:39 im Ziel war. Diese Zeit zu unterbieten, wird schwer, und das weiß natürlich auch Albert Matebor. „Ich denke, ich bin in einer Form für 2:06 Stunden. Aber wir haben ein sehr starkes Feld am Start, und wenn wir gut zusammenarbeiten, dann könnten wir vielleicht unter 2:06 Stunden laufen und sogar den Kursrekord brechen“, sagte der 32-Jährige, der seine Bestzeit 2011 in Frankfurt aufstellte.

Als Schüler dachte Albert Matebor noch nicht daran, später professionell zu laufen. „Bei Wettkämpfen in der Schule war ich im mittleren Feld“, erzählte er. Seine Einstellung änderte sich, nachdem er quasi vor seiner Haustür im Keiyo-District Weltklasseläufer wie William Kiplagat trainieren sah. Nach der Schule arbeitete er jedoch zunächst ein Jahr lang auf der Farm seines Bruders. „Ich habe in seinem Laden Kartoffeln verkauft, um Geld zu verdienen.“ Danach startete er als 21-Jähriger mit ernsthaftem Training. „Ich wusste, dass ich Potenzial habe und wollte es versuchen.”

Albert Matebor lief dann im Jahr 2006 seinen ersten Marathon. Es war ein Rennen durch die kenianische Wildnis. Er wurde Dritter beim Lewa-Marathon in Isiolo. “Nicht weit von der Laufstrecke gibt es wilde Tiere – das kann einem Angst einflößen. Ich sah damals Elefanten und Büffel. Um die Läufer zu schützen stehen alle zwei Kilometer bewaffnete Posten“, erzählt Albert Matebor, der damals auf der hügeligen und matschigen Strecke Dritter wurde mit 2:21 Stunden. Ein Mitarbeiter des holländischen Managers Jos Hermens erkannte bei diesem Rennen das Talent. Und so begann die internationale Karriere von Albert Matebor. Im folgenden Jahr startete er allerdings nochmals beim Lewa-Marathon und gewann in 2:19.

Heute zieht der Kenianer die Straßen Europas dem kenianischen Wildnis-Marathon vor. Am Sonntag trifft er auf sechs Läufer mit Bestzeiten von unter 2:10 Stunden. Mariko Kipchumba (Kenia) ist der zweitschnellste im Feld. Er verbesserte sich im vergangenen Jahr bei seinem Sieg in Reims auf 2:06:05. Die anderen sind Benjamin Kiptoo (Kenia/2:06:31), Teshome Gelana (Äthiopien/2:07:37), Nicholas Kemboi (Katar/2:08:01), Julius Karinga (Kenia/2:08:01) und Girmay Birhanu (Äthiopien/2:08:11). Ein weiterer Läufer, der eine gute Rolle spielen kann, ist der Debütant Amanuel Mesel. Der 22-Jährige aus Eritrea war beim Halbmarathon in Prag vor einem Monat Zweiter in 60:10 Minuten. 

Im Rennen der Frauen kehrt die Streckenrekordhalterin Lydia Cheromei nach Prag zurück. Die Kenianerin war vor zwei Jahren 2:22:34 Stunden gelaufen. Die Läuferin, die am Sonnabend 36 Jahre alt wird, hat eine Bestzeit von 2:21:30. Aber es gibt mindestens ein halbes Dutzend Läuferinnen, die für den Sieg in Frage kommen. Eine von ihnen ist Caroline Rotich (Kenia), sie sich im vergangenen Jahr als Fünfte des Chicago-Marathons auf 2:23:22 Stunden steigerte. „Ich bin in ähnlicher Form wie vor Chicago. Ich möchte gewinnen und möglichst meine Bestzeit steigern“, sagte Caroline Rotich, die in den USA lebt und vom früheren Triathleten Ryan Bolton trainiert wird. Bolton startete bei den Olympischen Spielen in Sydney für die USA.

Wenn die Wetterbedingungen gut sind, könnte der Streckenrekord am Sonntag fallen. „Ich möchte zwischen 2:20 und 2:21 Stunden laufen“, hatte Philes Ongori (Kenia) gesagt, nachdem sie vor einem Monat beim Berliner Halbmarathon in 68:01 Minuten Zweite gewesen war. „Seitdem lief alles gut, ich bin gut in Form“, erklärte sie nun in Prag. Die Bestzeit der Kenianerin steht bei 2:24:20 Stunden. Koren Jelela (Äthiopien/2:22:43), Ehitu Kiros (Äthiopien/2:23:39), Azusa Nojiri (Japan/2:24:57) und Selomie Getnet (Äthiopien/2:25:15) sind die weiteren Favoritinnen in Prag.

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net