21.4.: Tsegaye Kebede und Priscah Jeptoo gewinnen einen London-Marathon, der nach Boston Zeichen setzt: BMW Frankfurt Marathon

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Tsegaye Kebede kurz vor seiner Aufholjagd in London.

Priscah Jeptoo gewinnt mit einer Jahresweltbestzeit.

Tsegaye Kebede und Priscah Jeptoo sind die Sieger des Virgin London-Marathons. Nach einer dramatischen Aufholjagd auf den letzten sieben Kilometern triumphierte der 26-jährige Äthiopier mit 2:06:04 Stunden. Lange Zeit lag die Spitzengruppe in London auf Weltrekordkurs, doch die Läufer bekamen am Ende die Quittung für ein viel zu schnelles Anfangstempo. Etliche Topläufer brachen im bestbesetzten City-Marathon aller Zeiten ein, was dazu führte, dass am Ende nicht einer der ganz großen Favoriten vorne war. Hinter Tsegaye Kebede belegten Emmanuel Mutai (Kenia/2:06:34) und Ayele Abshero (Äthiopien/2:06:57) die nächsten Ränge. 

Bei den Frauen stellte Priscah Jeptoo mit 2:20:15 Stunden eine Jahresweltbestzeit auf. Die kenianische Olympia-Zweite war deutlich vor der Weltmeisterin Edna Kiplagat (Kenia/2:21:32) im Ziel. Dritte wurde überraschend die Japanerin Yukiko Akaba mit 2:24:43. Großes Pech hatte die Olympiasiegerin Tiki Gelana. Die Äthiopierin kollidierte an einem Verpflegungsstand bei Kilometer 15 mit einem Rollstuhlfahrer und stürzte auf die Straße. Trotzdem gab Tiki Gelana nicht auf. Sie erreichte das Ziel auf Rang 16 in 2:36:55.

Für die Welt des Laufsports hat der London-Marathon auch ohne Rekorde ein starkes Zeichen gesetzt. Rund 35.000 Läufer gingen in London an den Start. Viele von ihnen trugen als Zeichen des Mitgefühls für die Opfer des Anschlages beim Boston-Marathon sechs Tage zuvor ein schwarzes Band. Vor dem Start des Londoner Massenrennens hatte es eine Schweigeminute gegeben. Außerdem spenden die Veranstalter für jeden Läufer, der am Buckingham Palast das Ziel erreichte, zwei Pfund zugunsten der Boston-Opfer. Bei voraussichtlich rund 34.000 Finishern wird eine Summe von gut 100.000 US-Dollar zusammenkommen. 

Bei sonnigem Wetter säumten viele hunderttausend Zuschauer – mehr als in den letzten Jahren – die Strecke und sorgten für prächtige Stimmung bei dem Laufspektakel. „Das war eine fantastische Reaktion auf die Bombenanschläge von Boston – es war typisch Britisch. Mir wurde gesagt, dass heute so viele Zuschauer an der Strecke waren wie seit vielen Jahren nicht mehr. So was (die Boston-Anschläge, d. Red.) kann uns nicht umwerfen. Für mich war es gar keine Option, hier heute nicht zum Marathon zu kommen. Das gleiche galt auch für die vielen ehrenamtlichen Helfer“, erklärte Prinz Harry, der bei der Siegerehrung die Pokale überreichte, in einem Interview mit der BBC im Zielbereich. Der Prinz hob auch den enormen Wert des Charity-Running hervor. Läufer des London-Marathons sammeln jedes Jahr Spenden für gemeinnützige Zwecke in zweistelliger Millionenhöhe. 2012 kam dabei die Rekordsumme von rund 60 Millionen Euro zusammen.

Das Rennen der Männer: Verrücktes Anfangstempo

Bei sehr guten Wetterbedingungen – windstill, sonnig und Temperaturen von anfangs 10 Grad – während der Elite-Rennen begann der Lauf der Männer mit einem unglaublichen Tempo. Doch die „Hasen“ und die Stars in der ersten Gruppe übertrieben es. Nach 14:22 Minuten waren die ersten fünf Kilometer gelaufen – dieses Tempo ist gut, um eine der besten je gelaufenen Zeiten über 25 km zu erzielen! Auf die Marathondistanz hochgerechnet, ergibt eine solche Zwischenzeit 2:01:14 Stunden. Der Weltrekord von Patrick Makau (Kenia) steht bei 2:03:38. Es schien fast, als wollten die Läufer einen Angriff in Richtung zwei Stunden unternehmen. 

Patrick Makau war einer der wenigen Favoriten, der dieses Tempo nicht mitging. Doch er hatte offenbar trotzdem Probleme und kam am Ende nicht über Rang elf in 2:14:10 hinaus. Geoffrey Mutai, ein anderer großer kenianischer Favorit, war in der Führungsgruppe. Doch nachdem der Boston-Marathon-Streckenrekordler (2:03:02 Stunden/Strecke nicht rekordtauglich) zurückgefallen war, ging er vor der 35-km-Marke aus dem Rennen. 

Auf dem zweiten 5-km-Abschnitt war das Tempo nur wenig langsamer, so dass die Spitzengruppe diesen Punkt nach 28:56 Minuten erreicht hatte. Bis zum Halbmarathon (61:34) beruhigte sich die Tempojagd etwas. Der Olympiasieger Stephen Kiprotich (Uganda) hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwölf Sekunden Rückstand. Acht Läufer plus Tempomacher waren in der ersten Gruppe. Als dann bei 25 km die „Hasen“ aus dem Rennen gingen, setzten sich Emmanuel Mutai, Stanley Biwott (beide Kenia) sowie Feyisa Lilesa und Ayele Abshero (beide Äthiopien) ab. An der 30-km-Marke (1:27:49) war das Quartett immer noch auf Kurs für einen Weltrekord. Doch in der Folge wurde das Tempo an der Spitze deutlich langsamer, was zu einem in dieser Phase ungewöhnlich häufigen Führungswechsel führte. Zunächst setzte sich der Paris-Marathon-Sieger des Jahres 2012, Stanley Biwott, nach rund 33 km ab. Emmanuel Mutai hielt jedoch den Abstand konstant auf sechs Sekunden. Als Biwott langsamer wurde, übernahm Emmanuel Mutai zwischen 36 und 37 km die Führung. Es sah alles nach seinem zweiten London-Triumph nach 2011 aus, doch es kam anders. Der Kenianer, der an der 40-km-Marke einen Vorsprung von 49 Sekunden auf den nunmehr schon zweitplatzierten Tsegaye Kebede hatte, brach ebenfalls ein. Kurz hinter dem Big Ben lief der Äthiopier, der in London bereits 2010 triumphiert hatte, vorbei.

„Ich dachte, ich würde gewinnen, aber ich konnte das Tempo nicht mehr halten. Ich hatte Probleme mit der Hüfte“, erklärte Emmanuel Mutai, während Tsegaye Kebede erklärte: „Ich hatte anfangs leichtes Seitenstechen, aber es wurde später besser. Je näher ich an Mutai herankam, desto stärker fühlte ich mich. Es war ein toller Tag für mich.“ Mit zehn Läufern unter 2:10 Stunden hatte der London-Marathon eine sehr gute Breite in der Spitze.

Kurz vor der Halbmarathonmarke war wie geplant Mo Farah aus dem Rennen gegangen. Der britische Doppel-Olympiasieger (5.000 und 10.000 m) lief bis dahin in der Spitzengruppe mit. Im nächsten Jahr will er in London sein Marathondebüt rennen, heute ging es darum, Erfahrungen in einem solchen Feld zu sammeln. „Die Begeisterung an der Strecke war einfach unglaublich. Du wirst mitgerissen, aber ich musste mich zurückhalten, denn es war das Rennen der anderen, die einen Marathon liefen. Die größte Herausforderung war es, die Trinkflaschen zu erreichen. Ich musste einmal abstoppen und zurücklaufen. Ich muss noch viel trainieren, aber ich freue mich auf mein Marathon-Debüt im nächsten Jahr“, erklärte Mo Farah.

Das Rennen der Frauen: Pech für die Olympiasiegerin

Das Rennen der Frauen war gekennzeichnet von einem unruhigen Lauf mit vielen Tempowechseln. Die Spitzengruppe nahm dabei das Tempo der „Hasen“ nie richtig an und erreichte schließlich die Halbmarathonmarke in 71:49 Minuten. Geplant war ursprünglich eine Zeit von 69:15. Zuvor hatte es bei Kilometer 15 einen Zwischenfall gegeben, der das Rennen beeinflusste. Eine Gruppe von sieben afrikanischen Läuferinnen hatte gerade das Tempo erhöht, doch an einem Verpflegungsstand kollidierte Olympiasiegerin Tiki Gelana mit einem Elite-Rollstuhlfahrer und fiel zu Boden. Die Äthiopierin war plötzlich nach links gelaufen, um ihre Flasche zu erreichen und hatte nicht damit gerechnet, dass hinter ihr Rollstuhlfahrer kamen. Mehrere andere Läuferinnen der Gruppe mussten abstoppen, einige erreichten ihre Flasche nicht, und ein anderer Rollstuhlfahrer fuhr in dem Durcheinander über den Fuß von Weltmeisterin Edna Kiplagat. „Diese Situation hat ganz sicher das Rennen beeinflusst. Es sah für mich auch so aus, als ob die Gruppe danach etwas langsamer lief, um Tiki Gelana wieder herankommen zu lassen“, erklärte die als Co-Kommentatorin für die BBC tätige Weltrekordlerin Paula Radcliffe. 

Trotz des harten Sturzes lief Tiki Gelana, die auch bei ihrem Olympiasieg in London im vergangenen Sommer zu Fall gekommen war, weiter und war relativ schnell wieder in der Führungsgruppe. Doch angeschlagen, ging ihr die Kraft aus. Bei einem zweiten Zwischenstopp musste sie sich einen Schnürsenkel zubinden. Am Ende wurde sie 16. mit 2:36:55 Stunden. 

Vor der 25-km-Marke hatten sich vier Läuferinnen abgesetzt: die Kenianerinnen Edna Kiplagat, Priscah Jeptoo und Florence Kiplagat sowie Meselech Melkamu (Äthiopien), die nach ihrem Debüt-Sieg in Frankfurt 2012 (2:21:01) ihren zweiten Marathon lief. Es sah dann kurzzeitig so aus, als ob sich Edna Kiplagat alleine absetzen könnte. Doch Priscah Jeptoo kam heran und zog ihrerseits nach rund 33 km vorbei. Das war die Entscheidung zugunsten der Olympia-Zweiten. „Ich wusste heute morgen, dass ich gut laufen würde. Aber das ist natürlich ein sehr starkes Feld gewesen, da kann man nie sicher sein. Ich habe immer damit gerechnet, dass noch eine Konkurrentin von hinten kommt“, sagte die 28-Jährige, die die zweite Hälfte in sehr starken 68:26 Minuten lief und in London den größten Sieg ihrer Karriere feierte.

Ergebnisse, London-Marathon:

Männer:

1. Tsegaye Kebede   ETH   2:06:04

2. Emmanuel Mutai   KEN   2:06:34

3. Ayele Abshero  ETH  2:06:57

4. Feyisa Lilesa   ETH  2:07:46

5. Wilson Kipsang KEN  2:07:47

6. Stephen Kiprotich  UGA  2:08:05

7. Yared Asmerom  ERI  2:08:22

8. Stanley Biwott  KEN  2:08:39

9. Hafid Chani  MAR  2:09:11

10. Ayad Lamdassem  ESP  2:09:28

11. Patrick Makau  KEN  2:14:10

12. Patrick Rizzo  USA  2:16:05

Frauen:

1. Priscah Jeptoo KEN  2:20:15

2. Edna Kiplagat  KEN 2:21:32

3. Yukiko Akaba JPN  2:24:43

4. Atsede Baysa ETH 2:25:14

5. Meselech Melkamu  ETH  2:25:46

6. Florence Kiplagat  KEN 2:27:05

7. Mai Ito  JPN  2:28:37

8. Alevtina Biktimirova RUS  2.30:02

9. Susan Partridge GBR  2:30:46

10. Irvette van Zyl RSA  2:31:26

Text: race-news-service.com

Fotos: photorun.net